Ursachen von Angst

Teufelskreis der Angst

Wieso kann die Angst so aus dem Ruder laufen, dass sie statt Schutzmechanismus zu sein zur Qual wird? Das liegt wesentlich an der Art und Weise, wie eine einzelne Person Dinge sieht und bewertet. Verantwortlich dafür ist unser Gehirn. Menschen mit einer Angststörung schätzen Ereignisse als bedrohlich ein, die Gesunde für risikolos halten. Mit der negativen Einschätzung wird ein Kreislauf gestartet, der in folgender Abbildung am Beispiel der Panikstörung näher beschrieben wird.

Bild: Teufelskreis der Angst (modifiziert nach Roediger E.)
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Nehmen wir einmal an, Sie haben das Gefühl, Ihr Herz schlägt schneller als sonst (= Auslöser). Sie finden keine Erklärung dafür, werden ängstlich und stellen sich vor, Sie wären herzkrank (= Wahrnehmung). Darauf denken Sie, hoffentlich sind das nicht Anzeichen für einen Herzinfarkt, das ist gefährlich, ich könnte sterben (= Gedanken). Diese Vorstellung erzeugt bei Ihnen Angst (= Angst).

Durch diese Angst werden weitere körperliche Veränderungen hervorgerufen. Nun fangen Sie auch noch an zu schwitzen, Sie bekommen Schüttelfrost (= körperliche Symptome). Nun haben Sie das Gefühl, ihr Herz schlägt noch schneller (= Auslöser 2), zusätzlich bemerken Sie Schmerzen in der Brust, die sich in den linken Arm ziehen (= Wahrnehmung 2). Nun bekommen Sie Todesangst, befürchten das Bewusstsein zu verlieren (= Gedanken 2). Das erzeugt bei Ihnen noch mehr Angst (= Angst 2). Daraufhin finden wiederum weitere körperliche Veränderungen statt (= körperliche Veränderungen 2) usw..

Dieser Kreislauf kann mehrfach durchlaufen werden, wodurch sich die Angst hochschaukelt und die körperlichen Symptome immer stärker werden. Die Entladung der Spannung und Erregung läuft im Falle einer Panikstörung in Form einer Panikattacke ab. Diese wiederum macht den Betroffenen noch empfindlicher für die Wahrnehmung körperlicher Veränderungen. Es entwickelt sich eine Angst vor der Angst (Erwartungsangst). So entsteht ein Teufelskreis, aus dem nicht mehr so leicht ausgestiegen werden kann. Was macht also der Betroffene, um diesem zu entgehen?

Angstabwehr im Alltag – Vermeidungsverhalten

Um dem Teufelskreis zu entrinnen, versuchen diese Menschen die Angstempfindungen körperlicher und gedanklicher Art zu unterdrücken, z. B. durch Ablenkung, Vermeidung oder Flucht. In dem zuvor genannten Beispiel würde der Betroffene versuchen, jeden Gedanken an seine Herzfunktion zu unterdrücken, indem er z. B. von 1-100 zählt. Ein Mensch mit Flugzeugphobie würde ausschließlich mit der Bahn oder dem PKW reisen, einer mit Spinnenphobie sofort bei Sichtung einer Spinne die Flucht ergreifen.

Diese Handlungsweisen verstärken jedoch die Angstproblematik und verlängern die Angstreaktion sogar. Gelänge es den Betroffenen hingegen, die Angst zu ertragen und nicht zu vermeiden oder zu flüchten, würde diese mit der Zeit von allein verschwinden. Angst wird erst zu einer Erkrankung durch den Versuch, die Angst zu unterdrücken, sie nicht auszuhalten, sondern sie zu vermeiden.

Wer den Teufelskreis durchbricht, hat gewonnen!

Es gibt nur eine wirksame Strategie für den Ausweg aus der Angst: Man muss sich der Angst aussetzen, sie ertragen und darf nicht davonlaufen. Je früher dies erfolgt desto besser, denn mit der Zeit dehnt sich die Angst aus, greift auf weitere Situationen und Objekte über, wodurch die Behandlung immer aufwendiger wird. Angehörige sollten daher auch die Vermeidungsstrategien nicht unterstützen, sondern helfen, diese abzubauen.

Andere Erkrankungen als Angstauslöser

Angststörungen müssen nicht immer eine eigenständige Krankheit sein, sie können auch als Folge einer Erkrankung der Seele und des Gemüts (psychische Erkrankung), des Nervensystems (neurologische Erkrankung) oder der Körperorgane (körperliche Erkrankung) auftreten.

Beim erstmaligen Auftritt sollte daher abgeklärt werden, ob nicht eine organische oder psychiatrisch-neurologische Erkrankung vorliegt. Werden sie hierzu beim Hausarzt vorstellig, er wird die notwendigen Untersuchungen einleiten bzw. durchführen. Eine Wiederholung dieser Analysen bei anderen Ärzten ist nicht angebracht, sie können nur zu gleichen Ergebnissen führen!

Psychiatrische und neurologische Erkrankungen mit Angst-Symptomen:
Depression, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Entzug von Alkohol oder Benzodiazepinen und Opiaten sowie anderen Drogen, Psychosen, Persönlichkeitsstörungen z. B. Borderline-Störung, Epilepsie, Multiple Sklerose, AIDS, Gefäßerkrankungen des Gehirns, neurodegenerative Erkrankungen des Nervensystems.
Körperliche Erkrankungen mit Angstsymptomen:
Unterzuckerung z. B. bei Diabetes mellitus, Eisenmangel, Blutarmut, Kortisolüberproduktion, Pfeiffersches Drüsenfieber, Schilddrüsenstoffwechselstörung, vermehrtes Kalium, vermindertes Kalzium, Störungen der Hämoglobinsynthese, Tumor, Lungenerkrankungen, Herzerkrankungen.

Keine Flucht in Alkohol und Drogen!

Viele Menschen mit einer Angststörung versuchen, ihre Anspannung und Erregung mit Alkohol oder Drogen zu betäuben. Das sollten Sie auf jeden Fall unterlassen! Eine Flucht in die Welt der Drogen ist denkbar ungeeignet. Amphetamine, Cannabis, Kokain, Designerdrogen, Ecstasy, LSD, Marihuana, Haschisch u. a. verstärken die Ängste noch mehr. Vom Gebrauch gelangt man schnell zum Missbrauch und in die Abhängigkeit. Dies ist kein Gewinn, sondern eine zusätzliche Komplikation.

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